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ChatVisite von betablogr - Ausgabe #7

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SMARTR.care ChatVisite

7. April · Ausgabe #7 · Im Browser ansehen

Resilient und digital intelligent im Zukunftsmarkt Gesundheit.


Hallo, ...
wie letzte Woche angekündigt, provoziert die Coronakrise eine beschleunigte Auseinandersetzung über technologische Möglichkeiten zur Bewältigung der aktuellen und kommenden Herausforderungen. Parallel zur Vorstellung der RKI-App für die Datenspende nimmt aber auch der ethische Diskurs an Fahrt auf. Der Deutsche Ethikrat kommentierte heute Vormittag seine Empfehlungen vor der Bundeskonferenz.
Diese beiden Themen sollen uns heute in der ChatVisite beschäftigen. Ich habe einige Aspekte zusammengetragen und war dabei vor allem auf Twitter aktiv.
Viele Grüße, … und bleibt gesund, …
Ihr/Euer Frank Stratmann

RKI App für die Datenspende
Es war ein etwas holpriger Start heute Morgen. Das RKI hatte in seiner Pressekonferenz eine neue App vorgestellt. Wie es meine Art ist, habe ich die App gleich installiert. Leider wurde zunächst meine Postleitzahl nicht erkannt, so dass eine Registrierung verunmöglicht wurde. Das fand ich irritierend.
Frank Stratmann on Twitter
Reaktion aus Berlin
Binnen Minuten reagierte Julia Hagen vom Health Innovation Hub (HiH) des Bundesministeriums für Gesundheit. Der Fehler wurde wohl schon erkannt und binnen Minuten gelöst.
Julia Hagen on Twitter: "Hi Frank! Ist schon weitergeben und wird adressiert. Als #Landei kann ich dich beruhigen, dass die Peripherie nicht hinten runterfallen sollte!… https://t.co/I07ViuneST"
So konnte ich meine Registrierung dann auch abschließen und gehöre jetzt zu den Datenspendern.
Wie es zu der App kam?
Der Health Innovation Hub ist am Entstehen der RKI App organisatorisch beratend beteiligt. Die Entwicklung der App übernahm die mHealth Pioneers GmbH. Das Mitglied im Bundesverband Internetmedizin ist spezialisiert darauf, Daten aus Fitnesstrackern und Smartwatches, also Wearbables noch etwas tiefergehend zu interpretieren als die Apps der Anbieter selbst oft tun.
Ein erster Kontakt zu Friedrich Lämmel, einem der Geschäftsführer hatte ich bereits knapp 5 Jahren. Ich kann mich gut erinnern, wie Friedrich berichtete, was man als Pionier auf einem solchen Feld so erlebt.
Das sollte uns lehren, die Pioniere ernst zu nehmen. Was heute unvorstellbar erscheint, braucht manchmal nur ein Momentum, um eine breite Akzeptanz zu erfahren. Wobei eine Pandemie hier wohl beispiellos bleiben dürfte.
Apropos Akzeptanz. Laut Statista nutzt jeder 10. deutsche Bürger ein Wearable. Die Bedeutung der App wirkt sich aufgrund der freiwilligen Teilnahme sicher nicht auf die Ereignisse der Coronakrise heute oder morgen aus. Vielmehr scheint es so, als wolle man unter der Krise die Bereitschaft zur Datenspende testen und mit den Möglichkeiten koppeln, eine tieferreichende Analyse von Daten zu trainieren. Ich bin auf die Evaluation gespannt. Denn klar ist, dass die meisten Bürger (60-70%) mit dem Coronavirus zu tun bekommen.
Die App bündelt und rundet die pseudonymisierten Daten. So werden z.B. Daten für ein PLZ-Gebiet aggregiert und Altersstufen auf fünf Jahre zusammengefasst. Gekoppelt mit den Daten aus den Gesundheitsämtern lassen sich so sicher für den weiteren Verlauf der Epidemie wichtige Erkenntnisse heben, die zur Bewältigung beitragen.
Die App ist keine Tracking App
Die heute vorgestellte RKI-App für die Datenspende ist nicht zu verwechseln mit der Tracking-App, die sich die Bluetooth Funktion von Smartphones zu Nutze macht. Die vor allem am letzten Wochenende diskutierte Tracking App steht weiterhin zu Diskussion. Dafür reicht die mit dem DVG adressierte Datenspende wohl aus, um nationale Modellierungsstudien zu erstellen, das Infektionsgeschehen besser zu verstehen und natürlich ist die App ein Hinweis darauf, dass wir hier über einen längeren Prozess sprechen. Das Coronavirus (SARS-Co-V2) wird uns noch länger beschäftigten. Nicht nur Wissenschaftlicher, sondern eben auch die betroffene Bevölkerung.
Julia Hagen on Twitter: "Das ist keine Contact-Tracing App, sondern ein Tool für das RKI die Infektionsverbreitung anhand einer anderen (quasi real time) Stichprobe besser zu verstehen. 👍 Die Diskussion über die Kontakt-Nachverfolgungs-Apps geht noch weiter! :)… https://t.co/JKWMO8BnGQ"
Ethikrat zum Umgang mit der Coronakrise
Später an diesem Vormittag bezog der deutsche Ethikrat Stellung zu seinen Empfehlungen im Umgang mit der Coronakrise. An dieser Stelle muss ich positiv bemerken, wie nachvollziehbar Politik und Wissenschaft miteinander arbeiten. Nicht nur auf dem medizinischen Feld. Es mag daran liegen, dass sich die Diskussionen und die Zusammenarbeit der Instanzen in Italien, Spanien und Frankreich etwas zurückhaltender beobachten lassen. Doch mein Eindruck verstärkt sich, dass wir nicht nur allgemein, sondern auch speziell auf die Krise gut reagieren.
So wurden gegenüber der Bundespressekonferenz heute zwei wesentliche Aspekte vom Deutschen Ethikrat erläutert. Zum einen die Triage mit Blick auf eine Priorisierung bestimmter Patientengruppen unter der Krankheit COVID-19. Wir alle kennen die Berichte aus Italien, wo Patienten, die bereits beatmet wurden, zugunsten der Patienten mit objektiv besserer Prognose die Beatmung wieder genommen wurde. Hierzu bezieht der Ethikrat wie folgt Stellung:
Frank Stratmann on Twitter: "#Ethikrat hält aktiven Entzug von Beatmung in Sinne einer Priorisierung eines Folgepatienten nicht nur moralisch sondern auch juristisch im Sinne einer bewusst in Kauf genommenen Tötung für unmöglich. #CoronaVirusDE"
Ich halte diesen Aspekt für wichtig, weil - wie Professor Dabrock betont - die derzeitige Solidarität nicht unerschöpflich ist. Die Entbehrungen durch den Lockdown (Kontaktsperre) sind von einer Bevölkerung leichter zu ertragen, wenn sie darin einen echten Beitrag erkennen, das Gesundheitswesen aktiv zu unterstützen. Gestern habe ich angeführt, dass Deutschland 8 Krankenhausbetten und Italien nur 3 Betten pro 1.000 Einwohner zur Verfügung stellt. Es ist aber eben nicht nur ein statistischer Wert. Sondern die längerfristige Bereitschaft, Entbehrungen in Kauf zu nehmen, hat einen Einfluss darauf, welche Schmerzen unser Land zu ertragen haben wird.
Die Opfer des Lockdowns nicht aus dem Blick verlieren
Des weiteren betont der Ethikrat, die Opfer des Lockdowns nicht aus dem Blick zu verlieren. Weniger als Appell als vielmehr als Hinweis, dass das schon passiert. Die Berichte über die Zunahme an häuslicher Gewalt oder Berichte von Jugendfürsorgeorganisationen, dass vermehrt Kinder und Jugendlichen bewusst den Weg auf die Straße wählen, weil das eigene Zuhause keine Option mehr ist, verstärken sich.
Frank Stratmann on Twitter: "Wir verlieren die Opfer des #Lockdown aus dem Blick. Solidaritätskonflikte liegen nicht nur zwischen Leben / Wirtschaft, Leben / Tod. Solidarität ist nicht unerschöpflich. Maßnahmen zu #FlattenTheCurve müssen abgewogen werden, was nicht bruchlos möglich sein wird. #CoronaVirusDE"
Gleichzeitig hält der Ethikrat die Coronakrise für die Stunde der Demokratie.
Deutscher Ethikrat on Twitter: "Der Ethikrat appelliert: „Dies ist die Stunde der demokratisch legitimierten Politik“. #COVID19de"
Ich habe die letzten Tage immer häufiger erkannt, dass das Selbstverständliche eben nicht so selbstverständlich ist. Und wer sich fragt, wie das Selbstverständliche zustande kam, muss nur in die Geschichte unseres Landes und den zahlreichen Episoden der europäischen Epoche schauen.
Frank Stratmann on Twitter: "In diesen Zeiten erkennen wir wieder stärker die als Normalität gedachten Errungenschaften, für die insbesondere in Europa mehr als 500 Jahre blutig gekämpft wurde. #Versammlungsfreiheit #Demonstrationsrecht #FreiheitlicheGrundordnung #CoronaVirusDE"
So kann man dem Ethikrat nur klar folgen, wenn er empfiehlt, die Kritiker der Kontaktsperre nicht mundtot zu machen, sie als Delinquenten hinzustellen, wenn sie mahnen, der Lockdown habe noch andere Dimensionen, die wir im Blick behalten sollten. Damit ist noch nicht eine 1:1 Abwägung zwischen Leben und Tod oder Leben und Wirtschaft vollzogen. Gerade jetzt die Exit-Strategien zu diskutieren, von der Politik dazu ein Narrativ zu bekommen, sind wichtige Tugenden dieser Tage, in denen wir noch mitten in der Krise stecken.
Frank Stratmann on Twitter: "#Ethikrat hält es für ein Gebot, Kritik an freiheitlichen Einschränkungen zu äußern. Über Kriterien der Öffnung nachzudenken, ist nicht nur erlaubt, sondern eine Notwendigkeit zum jetzigen Zeitpunkt. #CoronaVirusDE"
Wie weit sollte Staire gehen?
Neben der sachlichen Auseinandersetzung mit der Kontaktsperre oder dem Vorgehen anderer Länder, wie z.B. Schweden oder Großbritannien, die sehr offensichtlich auf eine Herdenimmunisierung setzen und damit ihren Bevölkerungen einiges zumuten dürften, kommentiert Martin Sonneborn wie folgt:
Martin Sonneborn on Twitter: "Ich glaube, Boris Johnson hat der Welt mehr Gewalt angetan als ich ihm mit einem kleinen Tweet. Ein bisschen Schadefreude, dass es bei der Schaffung von „Herdenimmunität“ den dämlichen Leithammel als erstes erwischt, sollte auch gestattet sein... Smiley… https://t.co/v4nUEi39bu"
Wir wissen mittlerweile, dass Boris Johnson auf die Intensivstation verlegt wurde. Aufgrund der knappen Ressourcen gehen führende Mediziner nicht von einer vorsorglichen Aktion aus. Ein solcher Fall stellt uns auf die moralische Probe. Was wünschen wir also Boris Johnson? Alles Gute, … selbstverständlich.
Es grüßt Euch/Sie herzlich, … Frank Stratmann
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