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ChatVisite von betablogr - Ausgabe #5

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SMARTR.care ChatVisite

31. März · Ausgabe #5 · Im Browser ansehen

Resilient und digital intelligent im Zukunftsmarkt Gesundheit.


Die heutige ChatVisite verzichtet auf externe Links. Der unten geteilte Artikel beschäftigt sich mit der Situation in ländlichen Regionen, gemünzt auf den Hochsauerlandkreis in dem ich derzeit ausführlich meine Kontaktsperre genieße. Ich habe diesen eben auch auf xing.com und linkedin.com geteilt.
Zum Glück habe ich hier viel Wald und das gleich hinterm Haus. Und dort habe ich in den letzten Tagen viel über Wortmeldungen nachgedacht, die ich vor allem von Menschen lese, die ganz in meiner Nähe leben.
Übrigens: Wenn Du dieses Thema oder ein Dich ganz individuell betreffender Gedanke ausgesprochen werden will, nutze gern mein Zeitgeschenk. Greif Dir 30 Minuten aus meinem Kalender.

Coronakrise ländlich: Der Sturm der Ruhe
Wenn es eine Ruhe vor dem Sturm gibt, dann weht das Lüftchen gerade im Hochsauerland. Wirtschaftlich weht bereits eine stramme Brise in unseren Tälern. Doch Corona zeigt sich nicht wie das Jahrhundertereignis 2007 als der Sturm Kyrill uns heimsuchte. Den Sturm und seine Folgen konnten wir hier im Sauerland sehr deutlich sehen. Wer damals vor seine Haustüre trat, sah ganze Wälder auf den die Orte umsäumenden Berge danieder liegen. Die Betroffenheit war entsprechend groß.
Teilweise setzt deshalb ein Grübeln ein, ob die derzeitigen Maßnahmen vielleicht überzogen seien.
Das ist nachvollziehbar. Eine medial aufgepeitschte Beschreibung der Situation nutzt Vokabeln wie Ausnahmezustand, Krise oder greift auch im Falle der Kompensationsleistung zu kriegerischer Terminologie. Die Bazuka wurde ausgepackt. Eine Pressekonferenz reiht sich an die nächste. In allen hören wir, dass es noch lange nicht vorbei sein wird. Gerade heute Morgen hat Professor Wieler vom RKI noch einmal darauf hingewiesen. Verständlich also, wenn man bis auf die jetzt noch leerer wirkenden Fußgängerzonen in unseren Kleinstädten und dem Anstehen beim Bäcker wenig nachvollziehen kann, warum das alles sein muss.
Ein Beispiel aus meiner Heimatstadt Meschede zeigt, worum es geht. Auf der Website des hiesigen Walburga Krankenhauses werden 12 intensivmedizinische Behandlungsplätze ausgewiesen. Davon sind unter normalen Umständen 6 Plätze für die Beatmung ausgelegt. Derzeit werden gemäß den Vorgaben weitere Intensivbetten aufgestockt. Das vor Kurze neu geschaffene Klinikum Hochsauerland hat an einem seiner Standorte eine Coronastation eingerichtet. Auch in Winterberg und Fredeburg gibt es solche Stationen. Es wird alles getan. Beim DIVI Intensivregister sind die hiesigen - oben genannten Plätze für Meschede - derzeit noch nicht angegeben. Das wird aber mutmaßlich in nächster Zeit nachgeholt.
Wolfsburg oder Italien?
Meschede ist eine Stadt in denen es viele ältere Menschen und Altenheime gibt. Tritt jetzt eine Situation wie in Wolfsburg ein, wo 17 Menschen eines einzelnen Altenheims in kürzester Zeit an COVID-19 gestorben sind, wäre Meschede trotz aktueller Aufstockungen der Plätze schnell an seiner Grenze. Die nächsten größeren Krankenhausstandorte wie Dortmund, oder Paderborn stehen dann nicht nur in Verantwortung für dort lebende Menschen und angrenzende, bevölkerungsreichere Regionen als das Hochsauerland. Das Hochsauerland ist mit der flächengrößte Landkreis in NRW trotz seiner 260.000 Einwohner dünner besiedelt als z.B. das Ruhrgebiet. Um es auf dem Punkt zu bringen: “Einigen Patient*Innen aus Meschede könnte mutmaßlich dann nicht mehr geholfen werden können.” Abgesehen von anderen im Krankenhaus auflaufende Erkrankungen und Unfälle.
Niemand darf sich in der derzeitigen Phase auf einer Insel fühlen. Selbst hier in der ländlichen Idylle, wo eine Ansteckung im Schnitt seltener eintritt, liegen wir bei der Anzahl der Infektionsfälle pro 100.000 Einwohner vor Großstädten wie Dortmund oder Köln (Stand 31.03.2020, Quelle: RKI). Und am Wochenende durfte ich bei einem Ausgang beobachten, wie gerade aus den Ballungsräumen NRW Menschen unser Privileg des naturnahen Wohnorts für sich mit beanspruchen. Zahlreiche Nummernschilder aus Bochum, Recklinghausen, Dortmund und Köln tummelten sich auf den beliebtesten Parkplätzen. Ich kann das gut nachvollziehen. Die Kontaktsperre wird ausgereizt, wo es geht. Doch eines muss klar sein.
Ob und wie das Virus ein Altenheim erreicht, ist völlig unberechenbar. Und natürlich werden andere Hochrisikogruppen ebenfalls betroffen sein, wenn sie in Kontakt mit der Infektion kommen. Allein in meiner Straße habe ich das Gefühl, mit meinen 46 Jahren den Altersdurchschnitt deutlich zu senken. Das könnte sich ändern, wenn das Virus unseren Berg erreicht. Die immer schlechter ausgestatteten Altenpflegedienste fahren von Tür zu Tür. Deshalb müssen wir alle mithelfen.
Ab dem 20.04. und in Ankündigung eine gute Woche vorher wird von der Bundesregierung bekannt gegeben, ob die nationalen Maßnahmen gelockert werden können. Eine Lockerung kann zur Folge haben, das es trotzdem (erneut) zu einem regional gehäuft auftretenden Infektionsgeschehen kommen kann. Es bleibt also ab jetzt noch über Wochen/Monate ein Balanceakt und einzelne Landkreise könnten auch nach der Lockerung noch stärker betroffen sein.
Ich bitte deshalb herzlich, weiter kritisch und nachdenklich zu bleiben. Doch müssen wir die Fakten, die jedem zugänglich sind, richtig bewerten.
Es ist müßig, bei der derzeitigen Informationslage den Überblick zu behalten. Selbst mir mit meiner Nähe zum Krankenhauswesen fällt das schwer. Deshalb werbe ich um Vertrauen in unsere Krankenhäuser und in die sich aktiv mit der Krise beschäftigenden Institutionen.
Und eine herzliche Bitte. Virologen sind keine Politiker, vice versa. Politische Entscheidungen folgen niemals 1:1 einer medizinisch-wissenschaftlichen Entscheidung. Derzeit wir mit Hochdruck geforscht und fast täglich gibt es neue Erkenntnisse. Die Fürsorgepflicht des Staates zeigt sich darin, dass ausgewogen auf eine sich dynamisch entwickelnde Situation in Gesellschaft und Wirtschaft reagiert werden muss.
Deshalb abschließend die Bitte, die ich vor allem an die Regionen richte, die derzeit eher leere Krankenhäuser erleben, in denen das öffentliche Leben zwar nie wirklich pulsierte und jetzt noch einmal deutlich gedämpfter wirkt, wo sich wirtschaftliche Sorgen irgendwie nicht im Verhältnis anfühlen, wo man sich zwangskaserniert fühlt.
Es geht nicht um Glauben, sondern schlicht um einen Pragmatismus, der beispiellos ist und nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann.
Bleibt gesund und passt auf Euch auf , …
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